Butzes Aborea Runde

Die große Goblinschlacht

Tagebucheintrag von Liliza…

Es ist Dienstag Morgen und unsere Gruppe befindet sich wieder in Leet. Ist es sonst schon nicht groß, wirkt es mit dem nun vorgelagerten Heer geradezu winzig. Aus Schutzgründen war es zum Sperrgebiet für alle Soldaten erklärt worden, um Saufgelage und Schäden zu vermeiden. Die Stimmung war im allgemeinen gedrückt, war es doch mittlerweile bekannt, dass ein enorm großes Goblinheer auf uns wartete. Im Kriegsrat saßen außer uns: Kardinal Fex, der die Truppen der Kirche befehligte und 3000 Mann mitbrachte, Meister Ignatius, Befehlshaber der Truppen der Magier, gebildet von ca 500 Rittern auf ihren Schlachtrösern, Joromir Rödes, dem Führer der Stadtwache Padovas, der 5000 Mann stellte und dem Oberhaupt der Söldner, Rungard, mit seinen 2000 Männern. Rungard war ein Hüne mit Bärenfellumhang und die Sicherheitsmaßnahmen in Leet waren sicher nicht zuletzt wegen ihm und seinen Mannen ergriffen worden. Ich misstraute Söldnern, sie besaßen keine Ehre. Andererseits konnte das auch viele Dinge vereinfachen. Nichtsahnend traten wir nach unserem Frühstück aus dem Gasthaus, als wir auf einem mit Stroh bedeckten Eselskarren unter einem gammligen Hut ein wohlbekanntes Gesicht näher kommen sahen. Mit lautem “Ho” zügelte er sein Tier direkt vor uns, kletterte unbeholfen von seinem Wagen und klopfte sich den Staub aus der Kleidung. Meine Erleichterung ihn nach unserer Trennung im Stellwerk wohlauf zu sehen, wich sofort wieder der altbekannten Abneigung als er verkündete “Da seid ihr ja!”, so als schalt er ein ungezogenes Kind, das man nur einmal kurz im Gedränge aus den Augen verloren hatte. Sein Blick blieb an Hilda hängen, und ich vermute mit dem Gestreichle seines unansehnlichen Bartes versuchte er sie zu beeindrucken. Hilda hakte nach: “Ihr kennt ihn also?”. Ich bestätigte bereits das Vergnügen einer gemeinsamen Reise gehabt zu haben, wobei ich das Wort ‘Vergnügen’ seltsam betonte. Ich grüßte ihn verhalten und Ardgrimm, der zuvor mit natürlich mäßigem Erfolg versucht hatte sich im Hintergrund zu verdrücken, begrüßte ihn nun mit einem herzlichen Schlag auf die Schulter, der den schmuddeligen Zauberer jedoch schwanken ließ, und den Worten “Arbas Sternenpfuscher, alter Freund!”. “Königlicher Sternendeuter Arbas!” warf dieser sich in die Brust, an Hilda gewandt fragte er “und ihr seid?”, sie stellte sich als Hilda von Trutenstein zum Glockenspiel, die Bardin, vor. Danach wurde Retinas einer genaueren Musterung unterzogen “Eine stattliche Axt habt ihr da. Könnt ihr damit auch umgehen?” Retinas reckte das Kinn und erwiderte, er könne es ihm gern beweisen, während er seine Axt schwer in der Hand wog. Arbas schwadronierte los “Guter Mann! Solche Leute können wir in Zeiten wie diesen gut gebrauchen, an vorderster Front”. Zuletzt wandte er sich dem Priester zu und hieß ihn in unserer Gruppe willkommen. Großspurig wie immer. Er habe eine lange und strapaziöse Reise hinter sich, daher wolle er im Gasthaus speisen und darüber beratschlagen wie die nächsten Schritte aussehen sollten, da er neue Informationen habe über die es zu reden gäbe. Falls er wirklich neue Informationen hatte, was ich bezweifelte, sollten wir sie uns anhören. Also setzte sich die Gruppe mit Arbas an der Spitze in Richtung Gasthaus in Bewegung. Seinen Karren ließ er unbeaufsichtigt dort stehen, wo er zum Halten gekommen war. Die Wache ließ uns unbehelligt durch und als Leumunt uns erblickt, begrüßt er uns herzlich und bereitet sogleich unsere bevorzugten Getränke vor. Im Fall der Zwerge sogar vom dem besonderen Fass unter der Theke. Ardgrimm nimmt dies wohlwollend zur Kenntnis indem er brummt “Leumunt weiß eben was wir mögen” und lacht in sich hinein, “zweites Frühstück!”. Ich bekomme das heiße Wasser und die üblichen Kräuter für meinen Tee serviert, die Bardin ölt ihre kostbare Stimme mit einem Bier. Während Arbas selbstsicher auf den größten Tisch des Raumes zustrebt, wendet sich Ardgrimm allen voran unserem Stammtisch zu, an dem mittlerweile sogar eigens Stühle in Sonderanfertigung für die beiden Zwerge aufgestellt wurden. Arbas kommt zwar herüber, setzt sich aber nicht, sondern schreitet auf und ab um die Wichtigkeit seiner Worte zu unterstreichen während er sagt “Nun, lange habe ich mich im Verborgenen gehalten und eure Geschicke hinter den Kulissen gelenkt, wie ein geschickter Puppenspieler. Jetzt ist es mir gelungen euch zusammen zu führen, so dass wir uns alle hier treffen. Doch nun ist es endlich an der Zeit aus den Schatten hervorzutreten und wieder die Führung zu übernehmen…” wildes Gekicher wird am Tisch laut, ignoriert er aber völlig “…zusammen mit meinem Freund” und er deutet auf Ardgrimm. “Welche Führung, junger Freund?!”, lässt sich die Stimme des angesprochenen Zwerges vernehmen, “euch wurde doch niemals irgendeine Führung zugesprochen. Nun setzt euch hin und haltet die Klappe, sodass wir in Ruhe einen Schluck Bier trinken können”. Ich rang mit meiner Beherrschung, saß mit geschlossenen Augen da und atmete konzentriert ruhig ein und aus. Der Sternendeuter nahm Platz und sah den Zwerg erwartungsvoll an “Nun, mein Lord, mein zukünftiger junger König unter dem Berg,…” – Ardgrimm prustete in seinen Becher – “…sprecht, wie stellt ihr euch vor, wie wir uns dieser Bedrohung nun entgegen stellen sollen?”. Relativ entspannt lockerte dieser die Achseln und nahm zur Antwort nochmal einen kräftigen Schluck Bier. Als ich mich wieder gefasst hatte, wandte ich mich an den sogenannten Zauberer: “Welche neuen Informationen habt ihr denn für uns?”. Er holte weit aus, um zu bemänteln, dass er nur das Offensichtliche wusste: nämlich dass die Goblinarmee bereit stand. Meine Beherrschung schwand und ich fragte eisig “Und das habt ihr erfahren aus dem Loch heraus, in dem ihr euch verkrochen hattet?”. “Nun” erwiderte Arbas “ich bin Sternendeuter. Das deuten der Sterne ist jedoch keine exakte Wissenschaft”. Ardgrimm lieferte ihm die Möglichkeit abzulenken, indem er bemerkte, die Goblins seien ja auch nicht unser größtes Problem. Arbas hakte sofort nach und forderte den Zwerg zu erzählen auf. Nachdem er soweit in Kenntnis gesetzt war wurde beratschlagt, wie die nächsten Schritte aussehen sollten. Die Gläser die zu Monokeln verarbeitet worden waren, wurden gerade jetzt unter unseren Kriegern verteilt, aus unserer Gruppe hatte jeder eine vollständige Brille erhalten. Ardgrimm war am Ende seiner Erleuterung angekommen und teilte Arbas mit, es sei fraglich, ob er Anspruch auf ein solches Monokel habe, da er ja bei deren Beschaffung nicht geholfen habe, sondern nur durch schmutzige Zwergentunnel gerobbt sei. “Nun, das zu entscheiden überlasse ich auch, mein Herrscher” säuselte dieser huldvoll.
Ein Horn erschallte. Um uns herum herrschte auf einmal geschäftiges Treiben. Auch unser guter Freund Leunat greift zu Waffe und Schild, macht sich damit auf den Weg. Trotz seiner alten Verletzung will er seinen Beitrag zu dieser Schlacht leisten. Wir beschließen uns ebenfalls auf den Weg zu machen und Ignatius aufzusuchen. Arbas folgt dem brummeligen Zwerg wie ein Hündchen, der dem vorbeihumpelnden Leunant noch viel Glück im Krieg wünscht. Wir bahnen uns mühsam einen Weg durch die Menge, bis man einen hoch aufgewachsenen Mann in einen Umhang gehüllt vor der Grenze unseres Heerlagers stehen sieht. General Tilemitz der Magier, der Illusionist, ist hier! Etliche Pfeile sind auf ihn gerichtet und Ignatius Stimme erhebt sich über die Szene “Ergebt euch!”. Ich ahne böses, da antwortet er bereits “Ich wollte euch nur mitteilen, dass ich euch erwarte. In 3 Tagen, vor den Toren meines Gefängnisses, das mittlerweile ein recht lauschiges Plätzchen ist. Danke nochmal für den Schlüssel” und grinst fies zu uns herüber. Rungards rauhe Stimme schallt zu uns herüber “Wir sollten ihn gleich hier und jetzt auslöschen!”. Meine böse Vorahnung verstärkte sich, doch es war der Zwerg, der das Wort ergriff und Zweifel daran kundtat, dass Tilemitz tatsächlich hier vor uns stand. “Wir können ja Sicher gehen” antwortet Rungard, wendet sich seinen Bogenschützen zu und erteilt den Abschussbefehl. Geschätzte 200 Pfeile lösen sich auf das Kommando und finden sicher ihr Ziel. Tilemitz ist durchbohrt und blutet aus unzähligen Wunden, als er scheinbar tot zusammenbricht. Jubel bricht aus, doch ich sehe, dass auch meine Gefährten zögern und mißtrauisch die Ereignisse auf dem Feld im Auge behalten. Und richtig, einen Augenblick später steht Tilemitz wieder unversehrt an gleicher Stelle und lacht dröhnend. Meine Nerven sind zum zerreißen gespannt und mit allen Sinnen versuche ich die Ursache für meine Unruhe zu finden, da höre ich es: das Sirren von Pfeilen! Ich stoße eine Warnung aus “Achtung! Pfeilsalve!”, da verdunkeln sie auch schon den Himmel. Ich schrie “Schilde!”, doch es war zu spät, sie gingen auf uns hernieder und strecken viele Männer die ihr Heil in kopfloser Flucht versucht hatten, nieder. Ich konnte den Pfeilen ausweichen, Ardgrimm verbarg sich und die nächststehenden unter seinem Schild, in den gleich mehrere Pfeile der Geschosse einschlugen. Arbas in seiner planlosen Begrenztheit einfach wie angewurzelt stehen blieb. Zwei Pfeile schlugen direkt neben ihm ein und töteten die beiden Soldaten zu seinen Seiten, während er völlig unversehrt blieb. Die Götter hatten eben Humor. Nuok und Hilda schienen ebenfalls unversehrt zu sein, Retinas hatte alle mit seiner Ausrüstung abgefangen. Ich sah mich um und musste feststellen, dass wir große Verluste erlitten hatten. Viele waren tödlich getroffen, noch mehr verletzt worden. “In drei Tagen…” schallte Tilemitz Stimme ein letztes Mal über das Feld, bevor er einfach verschwand. Es waren hässliche kurze Goblinpfeile gewesen, eigentlich viel zu weit geschossen. Ihre Reichweite war sonst beträchtlich kürzer. Nuok studierte sie eine Weile eingehend, bevor er verkündete “der Pfeil ist nicht echt”. Nach einer kurzen Pause reagierte Ignatius als erster und befahl die Kristalle zu holen. Uns werden unsere Brillen überreicht und nun sahen wir es: die Pfeile waren eine Illusion. Allen Verletzten konnte damit geholfen werden, sie durch die Gläser blicken zu lassen. Die Wunden schlossen sich sofort, als sie die Illusion als solche erkannten, doch für die Gefallenen war es zu spät. Wir hatten Verluste von etwa 150 Mann zu beklagen.

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Inara

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