Butzes Aborea Runde

Aborea – Stellwerk. Auf dem Weg nach Padova

Das Stellwerk

Tagebucheintrag von Liliza

Die Gargyle war erlegt und Ardgrimm hatte sich die Heldenrüstung angeeignet.

„Wir hatten kaum gerastet und während Lunis und Arbas einige Seitengänge überprüften, um uns vor weiteren bösen Überraschungen zu bewahren, versuchte der Rest unserer Gruppe unsere Abreise per Lore vorzubereiten. Fast fertig mit unserer Arbeit, die Lore war auf den Schienen platziert und abfahrbereit, kündigte sich mit dem für sie typischen Rumpeln mindestens ein weiteres solches Gefährt an. Da wir nicht mit einem freundlichen Besuch rechneten, gingen wir in einem der Räume der Station in Deckung. Durch den Türspalt beobachteten wir die Ankömmlinge. Die gute Nachricht war – wenn man das so sagen darf – es waren „nur“ Zwerge, die schlechte: es waren Zwerge. Und zwar viele davon. Nicht schon wieder Zwerge. Meine Göttin steh mir bei! Als ob einer davon nicht schon genügen würde. Ich ahnte, weshalb sie hier waren, aber was auch immer der Grund war, es war mit Sicherheit ein äußerst schlechter Zeitpunkt um hier zu sein. Doch so wie die Dinge lagen wäre es trotzdem das Beste direkt aus dem Versteck zu treten und sich vorzustellen. Die Zwerge würden hier jeden Stein umdrehen, erst recht wenn sie von ihren toten Kameraden wussten oder sie fanden. Mein Vorschlag traf vor allem bei dem dummen Zwerg auf wenig Begeisterung – er würde uns allen mal noch den Kopf kosten. In diesem Fall eher früher als später, je nachdem wie hitzköpfig diese groben kleinen Wesen diesmal sein mochten. Ich hoffte nur Lunis + der dreiäugige Magier liefen ihnen nicht in die Arme. Vor allem wenn man bedachte, dass der arrogante Menschenmann das Feingefühl eines Vorschlaghammers besaß. Schließlich traten wir aus unserem Versteck hervor und die Katastrophe nahm ihren Lauf…
Jubel ging durch die Reihen der Zwerge, als sie Ardgrimm in der Rüstung des Toten erblickten. Das war gar nicht gut. Mit einem seligen Lächeln im Gesicht kam der Zwerg, der offenbar das Amt des Kommandanten bekleidete, auf ihn zu um ihn in die Arme zu schließen. Die Verwechslung war so offensichtlich, dass es sogar Ardgrimm erfasste, doch noch bevor er richtig losstottern konnte flog die unfreiwillige Tarnung auf, die Stimmung änderte sich schlagartig. Wut und Feindseligkeit schlug uns entgegen. So kannte ich dieses kriegerische Völkchen am besten. Kurzerhand wurden wir gefangengenommen und gefesselt mit einem Aufpasser und der toten Gargyle zusammen in eine dieser Loren verfrachtet, die uns zu ihrer hiesigen Hauptstadt Ehrenhall bringen sollte. Vermutlich würden sie uns ihrem König vorführen und uns den Prozess machen. Ich fragte mich, ob es gut oder schlecht für uns war, dass wir den Zwerg dabei hatten. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich Person des Interesses sein würde, fand ich die Vorstellung ein Zwergengericht tagen zu sehen doch äußerst spannend. Hätte Thomas das nur sehen können…
Zunächst aber wurden wir erwartungsgemäß in ein Verließ gebracht bis die Verhandlung beginnen sollte. Als es soweit war versetzte es mich in Staunen. Der Schauplatz des Tribunals war beeindruckend: auf einer riesigen scheinbar frei stehenden Plattform versammelte sich der Rat um das Königspaar. Der gesamte Aufbau war taktisch klug, der Angeklagte sitzt in der Mitte der weitläufigen Platte, der Thron des Königspaars, die Plätze des Rates und sogar die Tribünen der Zuschauer, die die Fläche wie eine Arena umschließen, befinden sich in erhöhten Positionen. Das schafft insgesamt eine sehr einschüchternde Athmosphäre. Durch die Weitläufigkeit und die Anordnung soll ein Gefühl der Ausweglosigkeit und Verlorenseins geschaffen werden. Ich kann nicht sagen, dass mir diese Taktik gefällt, auch wenn ich die Kunstfertigkeit der Umsetzung anerkennen muss. Es ist ein altes Kampferprobtes Volk und es weiß seine Mittel einzusetzen. Vor dem Königspaar zu stehen kommend bekundete ich ihnen meine Respekt mit einer Verbeugung. Wash tat es mir gleich, nur der dumme Zwerg schöpfte mal wieder aus den Vollen seiner schlechten Eigenschaften und blieb starrköpfig stocksteif stehen. Ich kenne ihn und seinesgleichen mittlerweile gut genug um zu wissen was ihn dazu bewog. Der verbohrte kleine Mistkerl gedachte vor niemand anderem als seinem eigenen König niederzuknien, sondern lieber erhobenen Hauptes dem Untergang entgegenzusehen. Doch diesmal hing nicht nur sein Schicksal davon ab. Meine einzige Hoffnung, dass er es zumindest nicht NOCH schlimmer machte, ging dahin. Ich muss sagen es verschaffte mir eine gewissen Genugtuung, dass er bei dem Versuch dem Schlag in die Kniekehlen zu widerstehen,zu Boden ging. Nach einem äußerst kindischen Hin und Her kniete er schließlich vor dem König. Welch Verschwendung von Zeit und Energie und wie wenig hilfreich. Die Klage wurde in der Gemeinsprache erhoben: man warf dem Zwerg vor sich der Leichenfledderei und der Aneigneignung fremder Heldentaten schuldig gemacht zu haben und uns die Beihilfe. Es stellte sich heraus, dass Ardgrimm einen Kriegshelden bestohlen hatte. Eine Legende, die drei Heldentaten vollbracht hatte und damit in die Geschichtsbücher der Zwerge eingegangen war. Ich musste an Thomas denken und erkannte die Ironie der Situation. Wie oft hatte ich ihm widersprochen, weil er der Meinung war unsere Völker müssten sich besser kennen lernen, um Missverständnisse zu vermeiden. Wie viele Stunden hatten wir diskutiert, ob man die Sitten und Bräuche der anderen Völker kennen und ihre Geschichte studieren sollte. Ich war stets dagegen gewesen, ich hatte meine Welt nicht teilen wollen. Und die Tatsache dass und ausgerechnet ein anderer Zwerg in diese Lage gebracht hatte, ließ mich fast auflachen. Nacheinander durften wir Stellung nehmen. Wash war sachlich, aber wie immer war sie weder redselig noch wortgewandt. Während von dem Zwerg außer der Aussage, ihm sei der Brauch seine Heldentaten auf der Rüstung zu verewigen nicht bekannt, erwartungsgemäß nur Unfug kam, versuchte ich die Argumente darzulegen, die für uns sprachen. Nämlich dass ihre armen Kameraden schon seit längerem dort liegen mussten und wir wohl kaum neben ihnen gewartet hätten, bis man uns dort fand. Des Weiteren wir uns aufgrund der hohen Verluste so tapferer Krieger wie dieser auf schwere Kampfhandlungen einstellen mussten und da eine so vortreffliche Rüstung wie die ihres Helden geradezu lebensnotwendig erschien. Zusammen mit ein wenig Charme schienen diese Argumente ihre Wirkung nicht zu verfehlen, sie schienen milde gestimmt zu sein. Doch leider ließen sie den dummen Zwerg noch einmal zu Wort kommen und dieses Wesen schien die Dinge nur dann nicht noch schlimmer zu machen wenn er schlief (Notiz an mich: Schlafmittel). Die Stimmung kippte. Ich übte mich also noch einmal in Schadensbegrenzung und hatte in diesem Zuge das außerordentliche Vergnügen das damit zu tun ihn als den Trottel zu benennen, der er ist. Womit ich ihm vermutlich auch noch das Leben gerettet habe. Der Rat begann wie für Zwerge üblich laut zu debattieren. Nach einigen Stunden waren sie immer noch zu keinem Entschluss gekommen. Ich sah einen Zwerg in unserer Nähe unbehaglich sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern. Es war der gleiche Zwerg, der uns sowohl zur Stadt, als auch zum Gefängnis gebracht hatte. Ich erinnerte mich des Namens Retinas und sprach ihn an. Ein letztes Mal versuchte ich Einfluss auf das Urteil zu nehmen indem ich unsere Hilfe bei der Aufklärung anbot. Froh sich bewegen zu können, begab er sich zu den Debattierenden und überbrachte meine Nachricht, die wenig Wirkung zeigte. Doch das war auch gar nicht nötig. Die Fakten sprachen für uns und auch der Umstand, dass Ardgrimm als Zwerg aus fernen Ländern die hiesigen Traditionen fremd waren fand ebenfalls Beachtung. Entgegen meiner Erwartung wurde noch am selben Tag eine Entscheidung gefällt: sie waren bereit unser Vergehen milde zu beurteilen und uns nicht in den Lavaströmen der Stadt zu versenken, wenn wir weiterhin versuchen wollten den aus dem Zwergenverließ geflohenen General zu verfolgen. Diese Wendung kam überraschend. Mir war nicht klar gewesen dass unser Auftrag größere Kreise gezogen hatte. Auch waren sie gut informiert über die Details, interessant. Unserem Ardgrimm allerdings würde eine zusätzliche Bürde auferlegt. Innerhalb eines Jahres sollte er eine echte Heldentat vollbringen, oder das Todesurteil würde vollstreckt werden. Dieses Urteil nahm er gelassener hin als angemessen war, doch den zweiten Teil seiner Strafe wollte er nicht hinnehmen: die Hälfte seines Bartes sollte es ihn Tribut kosten. Die Vollstreckung erfolgte sofort und beinah hätte er mir leid getan, so unglücklich umklammerte er die Reste mit den Händen. Welche Lächerlichkeit eine ganze Kultur auf diesem struppigen Geflecht aufzubauen. Es war vorbei. Die Versammlung löste sich auf, die Zuschauer verließen die Ränge. Mir stach eine Menschenfrau ins Auge, die auf den Tribünen stand und das Geschehen aufmerksam beobachtet hatte. Sie war mir schon bei unserer unrühmlichen Ankunft an der Endstation der Lore aufgefallen. Wie seltsam, eine Menschenfrau unter all diesen Zwergen. Wieder musste ich an Thomas denken, aber ich verdrängte diese Gedanken. Wir wollten so schnell wie möglich wieder aufbrechen und Retinas wurde uns als Begleiter zugeteilt, der nun die nächsten 365 Tage an unserer Seite bleiben würde um sich davon zu überzeugen, dass der Zwerg die an diese Reise geknüpften Bedingung erfüllte. Ansonsten würde er für die Vollstreckung des Urteils sorgen. Ich mochte ihn. Er war ein nachdenklicher, eher ruhiger Mann – eine für Zwerge eher ungewöhnliche Eigenschaft – erweckte aber den Eindruck sich im Kampf durchaus behaupten zu können. Wir würden sehen. Wir blieben noch eine Nacht in Ehrenhall und wohnten der Beisetzung von …
bei, der sich als der Bruder der Königin herausstellte. Und Ardgrimm schaffte es tatsächlich mich positiv zu überraschen indem er dem Toten seinen Respekt bekundete, als er ihm seinen abgeschnittenen Bart säuberlich geflochten mit auf seine letzte Reise in die Lava gab. Eine edle Geste, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Der Zwerg hatte sein Herz am rechten Fleck auch wenn er sich selbst oft im Wege stand. Am nächsten Morgen brauchen wir auf und ich war froh diesen Ort zu verlassen. Es macht mich unruhig, wenn ich den Himmel nicht sehen kann. Mit einer dieser vermaledeiten gespannten Loren sollten wir unseren Weg fortsetzen. Ich beginne diese Dinge wirklich zu verabscheuen, auch wenn sie eine schnelle Reise gewährleisteten. An den Schienen erwarteten uns außer Proviant auch noch die Menschenfrau – mit vollem Gepäck. Sie stellte sich uns als Hilda vor und hatte beschlossen mit uns zu gehen. Irritiert, aber davon überzeugt, dass es sinnlos sein würde das in Frage zu stellen, denn zweifellos geschah es mit dem Segen der Zwerge von Ehrenhall, hieß ich sie willkommen. Unsere Reise in der Lore war unerquicklich, doch schnell und ereignislos. An einem Ort namens Raven befand sich die Endstation, es handelte sich um so eine Art Handelsposten der unterirdisch von Zwergen und oberirdisch von Menschen bewohnt war. Dort trat Retinas an mich heran, um mir im Auftrag eines Ratsmitglieds namens Irxinius Tatendrang, der auch bei der Verhandlung zugegen gewesen war, eine kunstvoll gearbeitete Kiste zu überreichen. Als ich sie öffnete fiel mein Blick auf ein paar kunstfertig gearbeitete Dolche. Eine Waffe von der legendären Schmiedekunst der Zwerge war eine Kostbarkeit an sich, doch eher grobschlächtige Waffen wie Äxte und Hammer bevorzugend, mussten diese eleganten Dolche Seltenheitswert besitzen. Völlig verwundert sah ich Retinas an und er lächelte als er sagte “Da müsst ihr auf jemanden mächtig Eindruck gemacht haben”. Ich nahm die Dolche aus ihren Vertiefungen, sie lagen gut in der Hand und erwiderte “Muss wohl so sein”. Ich liebte die Dolche vom ersten Augenblick an und war mir sicher sie würden mir gute Dienste leisten. Wir setzten unseren Weg nach Padova in einer geschlossenen Pferdekutsche fort, doch am allerwichtigsten war: oberirdisch. Ich konnte mich kaum daran erfreuen, da erfolgte der Angriff. Wir hörten einen Dumpfen Schlag aus Richtung des Bocks und eine Salve Pfeile bohrte sich von allen Richtungen durch die Kutschwände, die wie durch ein Wunder niemanden verletzten. Wash reagierte als Erste. Die verschlossene Halblingsdame sprang auf und riss die Kutschtür auf um zu sehen woher die Gefahr stammte. Es waren mindestens acht berittene Goblins, die mit Pfeil und Bogen das Feuer eröffnet hatten, von dem Kutschter war weit und breit nichts mehr zu sehen. Wash versuchte auf das Dach zu kommen, strauchelte und wäre beinahe gestürzt, hätte Retinas nicht beherzt zugepackt und ihr hochgeholfen. Die Pfeile flogen und sie wurde getroffen, doch es gelang ihr an die Zügel zu kommen und die Pferde anzuhalten. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass wir nun von 8 Wölfen eingekreist waren, die jeweils einen Goblin trugen. Wir konnten also entweder in der Kutsche in Deckung bleiben, aber von dort aus nicht angreifen, oder standen ihnen völlig schutzlos gegenüber. Doch plötzlich nahm ich eine Bewegung unter der Erde wahr. Die Halblingsfrau wirkte einen Zauber, Äste und Wurzeln brachen aus dem Boden hervor und wuchsen in die Höhe bis uns eine schützende Kuppel umgab. Wir konnten zwar immer noch nicht angreifen, aber zumindest hatten wir etwas Zeit gewonnen um uns eine Strategie zurecht zu legen. Theoretisch. In der Realität sah das so aus, dass ich Ardgrimm so schnell wie möglich ins Gefecht stürzen wollte und Wash ihm hierfür eine Öffnung schaffte, durch die natürlich sofort einer unserer Feine hereinzubrechen versuchte. Beide Zwerge stellten sich ihm in den Weg und versuchten Wolf und Reiter zu bekämpfen. Völlig verängstigt zog sich Hilda so weit wie möglich zurück. Frustriert handlungsunfähig zu sein, wartete ich ab. Doch schon hob Wash zu einem neuen Zauber an. Das Angriffsgebrüll der Goblins schlug zu einem entsetzten Kreischen um und Kampfgeräsuche setzten in einigen Metern Entfernung ein. Sie zwinkerte mir zu als sie sagte “Jetzt kannst du dich von hinten anschleichen”. Vorsichtig stieg ich durch die Öffnung ins Freie und sah wie sich unsere Angreifer gegen die wütenden Hiebe eines zum Leben erwachten Baumes zu wehren versuchten. Beeindruckend Wash. In der kleinen Halblingsdame steckte so einiges. An den beiden Goblinwachen die den Eingang zu unserer Verteidigungsposition bewachten schlich ich mich vorbei ohne bemerkt zu werden und griff einen der kleinen Bastarde aus dem Hinterhalt an. Ich schnitt ihm die Kehle auf, doch ich hatte die Stöße durch das Beben der Erde unterschätzt. Eines der Beben brachte mich aus dem Gleichgewicht, ich fiel und verlor dabei beide Waffen. Sofort waren zwei der hässlichen Mistkerle zur Stelle und grinsten boshaft, Gier blitze in ihren Augen. Es gelang mir noch mich abzurollen und auf die Füße zu kommen, doch meine Dolche konnte ich nicht mehr erreichen. Ich konnte ihnen ansehen, dass sie sich darauf freuten mich zu töten und meine Leiche zu schänden, da erscholl ein Knall und ein Teil der Kuppel stand lichterloh in Flammen. Die Wölfe heulten, die Goblins zischten und einer meiner Angreifer spie mir entgegen “Nächstes Mal”, bevor er sich umdrehte und wie alle anderen die Flucht ergriff. In windeseile nahm ich die Dolche wieder auf und lief zurück zu meinen Kameraden. Unser ehemaliger Schutz war nun zur Todesfalle geworden. Meinen Mitstreitern war es gelungen den Anführer kampfunfähig zu machen. Ardgrimm packte ihn am Bein und zog ihn aus dem brennenden Unterschlupf. Der große Goblin sah ziemlich schwer verletzt aus. Er hatte mehrere tiefe Wunden und Blut rann ihm aus dem Mundwinkel wenn er schwer und rasselnd atmete. Er war nicht mehr zu retten, es war nur noch eine Frage der Zeit. Ich hatte kein Mitleid, die Welt war ohne den kleinen Bastard mit Sicherheit besser dran. Ich hoffte nur noch ein paar nützliche Informationen aus ihm herauszubekommen. In der Zwischenzeit hatte Wash die unversehrten Teile unserer Deckung wieder im Erdreich verschwinden lassen um Kutsche und Pferde zu retten. Doch sobald der Weg frei war stürmten die Tiere in Panik los, die Kutsche hinter sich gefährlich schwankend. Geistesgegenwärtig warf sich Retinas auf die Zügel, bekam sie zu fassen und zog sich auf eines der Pferde. In einer enormen Kraftanstrengung brachte er die Tiere zum stehen, nur um festzustellen, dass hinter ihm das Dach der Kutsche brannte. Fluchend sprang er auf das Gefährt und löschte das Feuer ganz in Zwergenmanier: er zog eine seiner Äxte und hieb das Dach ab.
Bisher waren meine Kameraden noch wenig erfolgreich bei der Vernehmung des Goblins gewesen, doch als ich mit schmeichelnder Stimme meine ‘besonderen’ Überredungskünste einsetzte, ließ er sich einige Dinge entlocken. So zum Beispiel, dass der General dabei war die Goblinstämme unter seiner Flagge zu versammeln und für seine Zwecke zu missbrauchen. Wie weit er dabei zu gehen bereit war konnten wir einmal mehr mit eigenen Augen sehen, als unser Gefangener bei dem Versuch uns mehr über den General zu sagen starb. Er trug wie alle anderen die uns über die Zeit hinweg angegriffen hatten eine seltsame Tätowierung. Wash hatte uns mitgeteilt, dass sie ein magisches Pulsieren daran wahrnehmen konnte und als uns der unglückselige Wicht davon berichtete, dass sich der General derzeit am Galgrat aufhalte leuchtete es glühend auf und vollbrachte seinen letzten Dienst: der Goblinanführer war tot. Das warr leider nicht viel mehr, als wir nicht sowieso schon gewusst oder vermutet hatten.
Hilda schien eine einigermaßen robuste Konstitution zu besitzen, denn sie hatte sich in der kurzen Zeit nicht nur von ihrem Schrecken erholt, sondern bestand auch darauf den armen Kutscher zu suchen. Ich wußte der Mann war so oder so tot, aber ich erklärte mich bereit mich bei der Suche zu beteiligen und ich war es auch, die ihn am Ende fand. Wash dachte wohl so ähnlich, weshalb sie es vorzog bei der Kutsche zu warten, bis wir zurück waren. Natürlich konnten wir nichts mehr für Menschen tun als ihn zu beerdigen, die letzte Ehre die wir ihm erweisen konnten. Mehr schlecht als recht, da niemand von uns ein Meister des Kutschlenkens war, setzt wir unseren Weg in Wechselschichten fort. Der Weg war beschwerlich und weder kamen wir zur Ruhe, noch besonders gut voran. Im nächstgrößeren Dorf das wir erreichten bleiben wir für einige Stunden um zu ruhen und die Pferde zu wechseln. Obwohl wir mmit unserer ‘geköpften’ Kutsche über die Maßen auffielen genoß ich es. Man stelle sich das nur vor: mit gleich zwei Zwergen Tagelang in einer geschlossenen Kutsche. Das ist fast mehr als ich ertragen kann.Irgendwann begegneten wir einer großen Gruppe berittener Gardisten. Wir tauschten Informationen aus und wurden gebeten unsere neuen Erkenntnisse so schnell wie möglich dem Hauptmann Joromir Rödes in Padova mitzuteilen. Er übergab uns einen Schrieb, das uns freies Geleit garantieren sollte und verabschiedete sich. Die Stadt Padova war wie jede größere Stadt mit ihren Armen- und Reichenvierteln und wie überall nutzten die Menschen das bisschen Macht aus, das sie hatten. Ich nötigte Wash das nötige Kleingeld zu spendieren das nötig war um unbehelligt die Wachen zu passieren. Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir das prächtige Anwesen des Hauptmanns mit angrenzender Kaserne. Wir wurden über den Hof geführt, wo sich die Soldaten in verschiedenen Waffendisziplinen üben konnten. Neugierig wurden wir betrachtet bis wir hineingebeten wurden und dem Hauptmann von dem berichten konnten was wir wussten. Er schien schockiert, kam aber ohne Umschweife unserem Wunsch nach, um eine Audienz bei der Magierin Emeralde zu bitten, was ja der ursprüngliche Grund für unser Kommen gewesen war. Der Hauptmann bot uns großzügig Kost und Logie in der Kaserne an, was für den Moment eine gute Lösung zu sein schien. Bis wir Antwort von Emeralde erhielten trieben wir uns etwas auf dem Gelände herum. Während ich versuchte mich mit der Umgebung vetraut zu machen, ließen sich die Zwerge zu einem dummen Wettstreit überreden. Ardgrimm nutze die Gelegenheit sich bei einem Zweikampf zu blamieren, während Wash auf ihre Art Spaß hatte indem sie Geld gewann, weil der Zwerg verlor. Retinas schlug sich wesentlich besser, er wählte die Disziplin klüger und gewann das Axtwerfen. Hilde feuerte unsere Gruppenmitglieder mit Begeisterung an und schien das Schauspiel zu genießen. Es wurde gewettet und Geld wechselte den Besitzer, bis eine autoritäre Stimme der Treiben beendete. Uns wurde Nachricht überbracht, dass Lady Emeralde uns im Quartier der Magier erwarte. Wir begaben uns umgehend dorthin und wurden direkt von ihr empfangen. Wir berichteten ausfühlich und auch was uns zu ihr geführt hatte. Sie belohnte uns reich mit Informationen. So erfuhren wir, dass der General Tilemiz hieß und zu den Illusionisten gehörte. In seinem Fall waren diese so stark und realistisch, dass sie kaum als solche zu erkennen waren. Manchmal konnte man ein Flimmern in der Luft wahrnehmen, doch das war keinesfalls ein sicheres Erkennungsmerkmal. Wollte man sie sicher durchschauen, so brauchte man Linsen aus einem besonderen Glas, deren Kristalle für die Herstellung ausschließlich in den Minen von Xara zu finden waren. Drei Wege führten dorthin: über die See (Goldsee uns Rattensee) nach Bout, über die Sturmlande oder den Galgrat. Nachdem ich ihr eine Skizze gemacht hatte erfuhren wir auch einiges über die seltsamen Tätowierungen. Es waren Kanalisierungspunkte die es dem Erschaffer ermöglichten durch die Augen der Gezeichneten zu sehen. Ich hatte den Eindruck, sie wollte noch etwas sagen, besann sich aber eines besseren und beendete das Gespräch. Stattdessen bot sie uns an auf ihre Einladung im Gasthaus zum goldenen Schwan einzukehren. Das war eine enorme Verbesserung zur Übernachtung in der Kaserne und dankend nahmen wir das mehr als großzügige Angebot an. In dringender Erwartung einer anständigen Mahlzeit, eines Bades und von ausreichend Schlaf begaben wir uns zum Gasthaus, wo wir noch gemeinsam speisen wollten, bevor wir uns zur Ruhe begaben. Doch noch während wir speisten warnten mich mein feiner Sinn und ich entdeckte hinter einem Wandvorhang ein Rohr, das gegen uns gerichtet war. Da ich weder wusste, was es damit auf sich hat und es nicht gut ankommt ein Kind bei einem Streich zu erdolchen, noch ich gerne eine meiner Waffen entbehre, warf ich stattdessen mit dem Glashumpen in meiner Hand nach dem Besitzer des Rohres. Dieser hatte wiederum wohl genau in diesem Moment beschlossen zur Tat zu schreiten, denn was sich nun als Blasrohr herausstellte, spie mir einen Pfeil entgegen. Er verfehlte wohl sein angedachtes Ziel und traf mich stattdessen an der Lederrüstung meiner Schulter. Innerhalb von Sekunden gebar sämtlicher Wandschmuck weitere schwarz vermummte Gestalten. Ganz offensichtlich hatten wir es mit einer Überzahl an Assassinen zu tun. Ich hoffte der Umstand, dass er beim Essen gestört wurde, versetzte den amputierten Zwerg in eine solche Rage, dass wir kurzen Prozess mit ihnen machen konnten. Doch ich irrte mich gewaltig. Sie waren nicht nur in der Überzahl, sondern auch noch sehr gut geschult. Während wir immer wieder ins Leere schlugen oder ihnen nur kleinste Wunden zuzufügen in der Lage waren rissen sie bei uns gezielte und tiefe Wunden. Sie waren geschickt und schnell und uns damit überlegen. Hilda hob zu moralisierendem Gesang an, doch die Stimme versagte ihr und ich musste mit ansehen, wie ihr eine tiefe Wunde geschlagen wurde. So erlitt fast jeder von uns innerhalb kürzester Zeit mehr oder weniger schwere Wunden. Sie mussten uns nicht einmal besiegen, die Zeit spielte gegen uns. Wieder einmal war es Wash, die das schlimmste verhinderte. Sie heilte die größten Wunden und verwandelte sich in eine riesige Bestie von einem Bären, die fast unantastbar unter ihren Gegnern zu wüten begann. Mit einem gewaltigen Schlag streckte sie ihren Angreifer nieder. Hilda hatte ihre Stimme wiedergefunden und stärkte unsere Moral während es mir endlich gelang meinen Gegner mit einem sauberen Stoß auszuschalten. Auf einmal war die Luft wie elektrisiert, Lady Emeralde stand mit erhobenen Händen im Raum und warf einer der Gestalten ihren Zauber entgegen. Ihre beiden Akolyten taten ihr bestes, doch ihre Zauber verpufften, oder prallten ab. Doch ihr Auftritt hatte seine Wirkung nicht verfehlt: hastig ließen sie von uns ab und versuchten Hals über Kopf zu fliehen. Einen konnte Lady Emeralde mit ihrem Zauber erreichen und binden, der Rest entkam. Schwer atmend wandte ich mich zu ihr um. Mit gerunzelter Stirn stand sie vor uns “Das habe ich mir gedacht”. “Sie haben gewusst, dass wir angegriffen würden?” “Ich habe es vermutet” . Es behagte mir gar nicht als Köder benutzt zu werden, aber diese Geschichte schien sowieso immer verworrener zu werden. Sie nahm den verbliebenen Attentäter in Gewahrsam und sagte in seine Richtung “Wir werden uns morgen wohl mal unterhalten müssen”, an uns gewandt fügte sie hinzu “Offenbar hat jemand, der Zugang zu euren Informationen hatte, etwas gegen eure Mission. Ihr habt nun zwei Möglichkeiten: entweder nach Xara aufzubrechen um ein Hilfsmittel zur Erkennung der Illusionen zu beschaffen, oder hierzubleiben und dem Verrat auf den Grund zu gehen. Ihr habt Zeit bis Morgen um euch zu entscheiden”

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Butzemann

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